Ihr Kulmbacher
 

Sarell Britta

Elementare Kräfte

"Dem Naturgesetz verschworen"

Geboren 1946 in Coburg. Evangelisch. Aufgewachsen und Schulbesuch mit Gymnasium in Kulmbach. Ausbildung zur Fachlehrerin in Bamberg und Nürnberg. Im Bamberger Raum berufstätig bis 1974, dann Wechsel nach Kulmbach bis heute.

Literarisch tätig seit der Jugendzeit mit verschiedenen Veröffentlichungen in Monatsschriften, Tageszeitungen und Anthologien. Mitglied im Kulmbacher Literaturverein seit 2007


Kimweri - 2007

Damals wanderte ich auf Maltas Straßen zu seinen Küsten, Städten und Denkmälern.
Damals erreichte ich zufällig ein riesiges Zeltlager hinter Zäunen im Süden der Insel.Damals wusste ich nichts von den Menschen in der Zeltstadt. Hier lag früher einmal ein Flugplatz, dessen Flugfeld in meiner Karte verzeichnet war.

Das Gittertor stand offen. Einige Männer in Jeans und bunten T-Shirts liefen vor den in langen Reihen aufgestellten Wohnzelten auf und ab oder unterhielten sich leise. Da ich mir nicht erklären konnte, was hier ablief, wurde ich neugierig und trat ein.

Ein Afrikaner, dunkel wie die Nacht, prüfte mich mit kurzem Blick und grüßte dann freundlich mit „Hello, madame“. Ohne meinen Gegengruß abzuwarten, winkte er mir sofort einladend mit dem Arm und wies in sein offenes Zelt.

Tausend Gedanken schossen durch meinen Kopf - ob mein Eintreten richtig war, ob es gefährlich für mich werden könnte, ob ich hier heil wieder raus käme, schließlich war ich ganz alleine unterwegs und niemand wusste, wo ich mich genau aufhielt. Aber die ruhige Art des Schwarzen weckte in mir zugleich Vertrauen. Ich schritt an ihm vorbei ins mannshohe Zelt. 

Ich traf wohl geordnete Verhältnisse an. Etliche Decken waren gut gefaltet zu einem Turm an die Zeltwand geschlichtet; daneben vier geknotete Bündel. In der Mitte lag ein sauberes Tuch als Tisch am Boden ausgebreitet und herum gab es Kissen zum Sitzen. Vom Dachgestänge hing eine Glühbirne. Licht flutete durch die helle Zeltwand und tauchte den Raum in warme Farben. Der muskulöse Mann verharrte am Eingang des Zeltes, um die Leinwand weit geöffnet zu halten. Wollte er mir dadurch Sicherheit geben? 

Ich kam zum Eingang zurück und blieb bei dem Fremden stehen. Er überragte mich um zwei Kopfesbreiten und lächelte. Nun begann ich zu fragen, aber sein dürftiges Englisch war für mich schwer zu verstehen. Er nannte sich „Kimweri“ und war 26 Jahre alt. Drei Wochen sei er schon hier und von dort sei er gekommen, mit dem Boot – dabei zeigte er mit der Hand nach Süden. Er wolle weiter zum Festland. „Italia, Italia!“ Woher ich komme? Aus Germany? Oh, dorthin wolle er auch! „Germany“, das klang aus seinem Mund wie Paradies, wie Himmel auf Erden. Ob ich eine Adresse für ihn hätte?

Das erschien mir doch zu gefährlich. Ich verwies ihn deshalb an das Amt für Immigration, über das er ganz sicher weiter geleitet werden würde.

Sein Kopf senkte sich kaum merklich - die traurigen Augen nordwärts gerichtet. Er sagte nichts mehr. Ich wünschte ihm alles Gute für seine Zukunft und ging zurück zum Tor, das weiterhin offen stand. Er folgte mir nicht, blieb stehen. Der Weg durch das Tor in ein freies Leben war für ihn noch nicht begehbar.

KU, 1.9.2015
Britta Sarell


Glücksbringer

Da spielte ich gerade
Ein Würfelspiel aus Kindertagen
Und träumte von Großelterns Zeiten
Da klingelte es draußen:
Klein Amely, Mutti und Oma
Ließen vom Herz zu mir sich leiten.
Nun spielten wir zusammen -
Wenn auch nach Amelynchens Regeln -
Kindlich, fröhliche Spieleinheiten!
                                                                                             


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