Ihr Kulmbacher
 

2. Platz
Jannik Schulz, 17 Jahre,
Schüler am Markgraf-Georg-Friedrich Gymnasium Kulmbach


Eine letzte Fahrt

Am frühen Morgen, die Luft eiskalt,der Schaffner Heldt zum Bahnhof kommt.Den Atem sehend, die Mütze wärmt,
der Schaffner Heldt die Tür aufsperrt.

Die Türe quietscht, das Gehäuse knackt,der Koloss auf Gleis im tiefen Schlaf.Das Kohlefeuer schon lange still,
die Räder auf ewig gleich gestellt.

Die Fenster sind eingefroren,die Steuerknüppel kalt,der Lack schon abgeblättert.Schaffner Heldt über dies´ alte Machtwerk staunt.

Wie schön wär es,wenn sie ein letztes Male stampft.Die Räder bahnen sich den Weg,und Lok 37 fährt in die Ferne.

Doch nichts – die Bahn bleibt stehen,kein Stampfen, kein Klopfen, kein Quietschen, kein Zischen.

Nichts – die Bahn bleibt stehen.Und Schaffner Heldt über dies alte Machtwerk staunt.Schon lange ausgedient,die Passagiere fehlen.Kein Lachen, kein Quatschen, kein Staunen, kein Klatschen,wenn die Lok 37 sie heil ans Ziel gebracht.

So einsam wie sie da steht,ist jeder Glanz verloren.Ausgedient und ausrangiert,bald gänzlich ist sie vergessen.

Schaffner Heldt steht ganz still da.In seiner Erinnerundie Maschine marschiert.Kein Wind, kein Sturm kann sie aufhalten.

Doch jetzt gar kraftlos, alt und schwer. Schaffner Heldt holt seine Männer um sie zu schieben,auf ihre letzte Fahrt.

Die letzte Fahrt aufs Abstellgleis,in den Schuppen, um die Arbeit zu verrichten.Die Arbeit, die so weh ihm tut, sie in ihre Teile zu zerlegen.

Doch eines bleibt dem Schaffner Heldt,die Erinnerung an Lok 37.


zurück <<

weiter >>